Verfasst von: markusgaertner | Dezember 17, 2009

IATA-Tiefflug

Airlines: Pest an der Tragfläche             

 Vancouver  17. Dezember 2009

Wenn es eine Branche gibt, in der ich bestimmt kein Manager sein wollte, dann ist es die Airline-Industrie. Die Fluggesellschaften haben die Pest am Hals, und das ohne Unterlass: Terroristen, SARS, galoppierende Ölpreise, Rezession, nichts bleibt diesem Gewerbe erspart. Die Himmels-Transporteure haben in diesem

Jahrzehnt mehr Geld verloren, als sie zuvor in 70 Jahren erwirtschaften konnten.

Laut der jüngsten Prognose des internationalen Airline-Verbandes IATA wird sich daran auch nichts ändern. Dem summierten Verlust der Industrie von 11 Mrd. Dollar im laufenden Jahr soll ein weiterer branchenweiter Fehlbetrag im operativen Geschäft in Höhe von 5,6 Mrd. Dollar in 2010 folgen. Die IATA musste diese Woche ihre ursprüngliche Prognose von „lediglich“ 3,8 Mrd. Verlust für 2010 schroff nach oben korrigieren.

Und das, obwohl sich seit dem dritten Quartal im Flugverkehr eine Entspannung andeutet. Die von Analysten und Engels-Chören der Wall Street nachhaltig beschworene Erholung brachte laut IATA in den vergangenen Monaten zuerst bei der Fracht, dann bei den Passagierzahlen, eine Verbesserung.

Der Sitzladefaktor, ein Schlüsselwert für die Performance der Airlines – die Topmanager nehmen ihn wie Müsli schon zum Frühstück zu sich – hat gar das Niveau erreicht, das er vor Ausbruch der Rezession hatte. Doch jetzt kommt es: Die Treibstoffpreise rauschen wieder nach oben. Und weil zurückliegende Bestellungen von vor der Krise für eine Erweiterung der Jet-Flotte sorgen, gehen jetzt die Flieger weniger in die Luft.

Die Airline-Mathematik lautet so: Weil die Zahl der verfügbaren Sitze im Himmel prozentual zuletzt schneller wuchs als die Zahl der Passagiere, werden die Maschinen nicht so häufig eingesetzt, damit ihre Auslastung während der tatsächlich geleisteten Flüge steigt.

Nach Einschätzung der IATA ist der Kapazitätsüberhang zum größten Risiko der gepeinigten Industie geworden: 

Perhaps the biggest risk in the business environment ahead is the latent capacity overhanging yields. Passenger and freight yields have started to turn upwards in Q3 as load factors returned to pre-recession levels, tightening supply-demand conditions. Airlines have cut seat and freight tonne kilometer capacity significantly. However, at the same time new aircraft deliveries have kept the fleet expanding. The only way airlines have been able to boost load factors has been to fly their aircraft less intensively, on average. Aircraft utilization for both narrow and wide body aircraft is down by around 6% from early 2008 levels.

 

Kein Wunder, dass IATA-CEO Giovanni Bisignani – der ein „fürchterliches Jahrzehnt“ zu Ende gehen sieht – der Zukunft seiner Branche nicht viel abgewinnen kann:  

 
 

„Die Branche ist aus dem Gleichgewicht geraten. Die Erträge werden sich vermutlich nie ganz erholen. Es ist schwierig auszumachen, wie dies auf der Kostenseite ausgeglichen werden kann. Nach einem Jahrzehnt von Kostenreduktionen werden weitere Einsparungen im besten Fall schrittweise erfolgen können. Und das Risiko steigender Treibstoffkosten wird bleiben. Natürlich wird es einzelne Erfolgsgeschichten geben. Ohne
jedoch die Fundamente der Luftfahrt grundlegend zu verändern, wird es ein Traum bleiben, in dieser stark fragmentierten Branche Geld zu verdienen.“

 

Die Infografik ist in voller Größe auf meiner Homepage www.markusgaertner.com und in der SLIDESHARE-Galerie  www.slideshare.net/markusgaertner zu sehen – mit RSS-Button, damit Sie alle neuen Grafiken automatisch bekommen
 

  

 
 
 
 
 
 
 

 
 
 
 
 
 
 

 

 

 

 

 


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