Verfasst von: markusgaertner | Dezember 14, 2009

IT-Walze

Bye bye, High Tech America !                                

Vancouver  15. Dezember 2009

Es war ein déja vu, wie jedes Jahr, solange wir uns erinnern können: Bei der diesjährigen Verleihung der Nobelpreise vor ein paar Tagen standen neun Amerikaner auf, als die 13 Auszeichnungen überreicht wurden.

Amerika, die Supermacht in IT, in der Nanotechnologie, den Life Sciences, fast allen Schlüsselwissenschaften und-technologien der Zukunft. So jedenfalls haben es die Fernsehbilder wieder mal rübergebracht.

Doch halt, sind das nicht 70jährige, die in Stockholm die Urkunden entgegen nehmen ? Die Nobelpreise sind ein nachlaufender Indikator. Und sie täuschen über rasante Entwicklungen hinweg, die nichts gutes für die USA verheißen. Das Land hatte – wie Newsweek richtig feststellt – in drei großen Wellen seit Beginn des 20. Jahrhunderts einen Triumph nach dem anderen gefeiert.

Erst, als Europa in Schutt und Asche fiel und praktisch alle ernst zu nehmenden Technologie-Konkurrenten für Jahre ausfielen. Dann, als eine ganze Generation europäischer Emigranten den Alten Kontinent verließ und amerikanische Universitäten bevölkerte. Und schließlich, als – von Nasa und Airforce mächtig forciert – der Staat in den USA Forschung und Innovation massiv finanzierte.

Das Internet, der Computerchip, der Laser und die GPS-Satelliten sind nur wenige Beispiele dafür, wie dieser Kraftakt von Erfolg gekrönt wurde und sich die USA als Forschungsland und Innovationsmagnet konkurrenzlos etablieren konnten.

Doch das ändert sich gerade rasant. Zwei Studien in diesem Jahr, eine von der Boston Consulting Group, eine andere der Information Technology & Innovation Foundation (ITIF), attestieren den USA („Rising Tigers, Sleeping Giant“) wesentlich schwächere Positionen als dies gemeinhin angenommen wird.

In der ITIF-Rangliste zum Beispiel wird deutlich dass die USA in den vergangenen Jahren unter den 39 analysierten Ländern den geringsten Fortschritt in der Wettbewerbsfähigkeit erzielen konnten. Einer der Gründe ist sicher die Erosion im amerikanischen Schulsystem, dessen Drop-out-Raten in den Highschools große Sorge bereitet, bis hin zu Präsident Barack Obama.

Doch der eigentliche Grund dafür, dass die lange unangetastete Führungsposition der USA in Sachen Forschung und High Tech ins Wanken gerät, sind Fortschritte anderswo, vor allem in Asien.

Zum Beispiel bei den Zukunftsenergien. Die Investmentbanker bei Lazard Freres haben unter den führenden Herstellern von Windanlagen nur in General Electric  ein US-Unternehmen gefunden, die übrigen neun der Top 10 sind Deutsche, Dänen, Inder und Spanier. Im Solarbereich belegen First Solar und SunPower nur zwei der besten zehn Ränge, stellt die Harvard Business School fest. Und acht der zehn führenden Batterie-Hersteller auf dem Planeten sind japanische. Die anderen beiden sind Johnson Controls in den USA und BYD in China.

Der Auftsieg asiatischer Konkurrenten gräbt den USA auch dort das Wasser ab, wo es langfristig am meisten schmerzt, bei den Talenten, die die USA lange Jahre wie ein Monopolist anziehen konnte. Aber die Superpower verliert nicht nur Anziehungskraft auf „Köpfe“ aus dem Rest der Welt, ihre eigenen „Techies“ beginnen mit der massenhaft ausgelagerten Produktion mitzuwandern.

Das beklagt im neuesten Jahresbericht an den Kongress jetzt die „U.S.-China Economic and Security Review Commission“, die wahrhaft schlimme Zahlen über die Erosion von Amerikas Spitzenstellung vorlegt (siehe Grafik). Demnach überwältigt China im bilateralen Handel die USA regelrecht mit IT-Produkten, Konsumelektronik, Bürogeräten, PC-Hardware und elektrischen Komponenten. Bei IT schoss das US-Defizit im Austausch mit China von 2,1 Mrd. Dollar im Jahr 1996 auf jetzt 70,4 Mrd. Dollar.

Am Beispiel des Staates New York belegt die Kommission eindrucksvoll – und für die USA ernüchternd – wie den Fließbändern nun die Köpfe ins Ausland folgen. Die nächste Angriffswelle der Chinesen läuft demnach gerade im Maschinenbau, wo die Volksrepublik „in den vergangenen zwei Jahren 25% aller Werkzeugmaschinen gekauft hat, mehr als zwei Mal so viel wie das nächstgrößere Importland, Deutschland“.

Was China mit all den Maschinen anstellen wird, kann man wunderschön am Stahlmarkt verfolgen. Die Stahlöfen im Reich der Mitte wälzen inzwischen so viel wie die acht nächstgrößeren Herstellerländer zusammen (siehe „China-Tsunami, 30. November).

Die Infografik ist in voller Größe auf meiner Homepage www.markusgaertner.com und in der SLIDESHARE-Galerie  www.slideshare.net/markusgaertner zu sehen – mit RSS-Button, damit Sie alle neuen Grafiken automatisch bekommen.


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