Verfasst von: markusgaertner | Dezember 13, 2009

Keinbenzinautos

China entwickelt das Null-Liter-Auto                      

Vancouver  13. Dezember 2009

China hat offenbar das Null-Liter-Auto entwickelt. Im September nahmen in der Volksrepublik die Fahrzeugverkäufe um 83,6% zu, im Oktober um 79.6%. In den ersten zehn Monaten des Jahres rauschten die

Verkaufszahlen um 52,4% auf 8,08 Mill. Einheiten in die Höhe. Doch der Benzinverbrauch im Land kletterte schlappe 10%. Für die Verschwörungstheoretiker, die in chinesischen Statistiken stets Schmuh vermuten, ist der Widerspruch das gefundene Fressen. Ganz klar, entweder die Absatzzahlen sind getürkt, oder da fahren plötzlich Null-Liter-Autos im Reich der Mitte herum. Westliche Ingenieure sollten schleunigst mal nachschauen gehen …

An der Börse hat man sich zu dem neuerlichen Mysterium bereits eine Meinung gebildet: Die Regierung, so wird vermutet, hat den Staatsfirmen befohlen, im großen Umfang Autos zu kaufen. Die werden dann auf irgendwelchen Parkplätzen fein säuberlich abgestellt, aber nicht benutzt. Jedem, der ein paar Jahre in China gelebt hat, kommt das irgendwie bekannt vor. Es wäre die moderne Version von Potemkinschen Dörfern, nur dass diese nicht gezeigt werden.

Analysten in Hong Kong, Peking und Shanghai sind seit Wochen fieberhaft auf der Suche nach einer Erklärung. Selbst die altehrwürdige New York Times hat sich des Rätsels angenommen: „Ein Land, wo die Autoverkäufe explodieren, aber der Benzinabsatz stagniert“ nennt die „NYT“ die Volksrepublik.

Nun werden viele Vermutungen produziert, aber keine ist so recht überzeugend (vielleicht ist das Bild von den heimlich gefüllten Parkplätzen einfach zu schön). Der Chef des China-Research bei Standard Chartered in Shanghai, Stephen Green, zum Beispiel, führt in seiner Analyse „Mysterious Gas“ eine -nahegliegende – Unterscheidung zwischen verkauften und angemeldeten Autos ein.

Demnach steigt die Zahl der registrierten Autos in China im laufenden Jahr nur halb so schnell wie die Absatzzahl. Das bedeutet: Alte Kutschen werden in großem Umfang durch Neuwagen ersetzt. Leuchtet ein, wenn man mal gesehen hat, wie uralt Chinas Fuhrpark teilweise noch ist. Auch das überrascht nicht. Wenn die Löhne so niedrig sind, rentiert es sich, die ollen Kisten immer wieder zu reparieren, bis sie auseinanderfallen.

Hier kommt noch ein Faktor ins Spiel, der das Auto-Puzzle lösen hilft: Die neueren Autos, vor allem die von der Regierung subventionierten, verbrauchsarmen Kleinwagen, drücken den Flottenverbrauch. Bleiben noch Millionen von Taxis im ganzen Land. Die Taxiflotten werden rasant schnell auf Gas und andere umweltfreundlichere Antriebe umgestellt. Schließlich: Weil die schwache globale Wirtschaft das Frachtvolu-men dezimiert hat, legen nun selbst im stur boomenden China die Lastwagen weniger Kilometer zurück.

Reicht das zur Erklärung ? Sicherlich nicht ganz. Aber unser Rätsel ist jetzt schon sehr viel kleiner geworden. Für staatlich organisierte Absatzorgien in dem Umfang, den man an der Börse vermutet, ist es nicht mehr groß genug. Doch halt – eine mögliche Begründung haben all die schlauen Analysten vergessen. Auch dafür muss man einige Zeit in China gelebt haben. Die Energiepreise haben sich ja in den vergangenen Jahren deutlich verteuert. Und wenn in China etwas zu teuer wird, wandert es in die Schattenwirtschaft ab.

Die wird auf 50-100% der offiziellen Wirtschaft geschätzt. Also, im Klartext: Der Benzinverbrauch ist vielleicht bei weitem nicht so gering, wie es die Tankstellen den Steuerbehörden und dem Energieministerium melden. Und noch etwas: Könnte es sein, dass es dem einstmals armen China nach so viel Wachstum in manchen Landstrichen schon so gut geht, dass jetzt bereits  Zweitwagen angeschafft werden ? Zweitwagen werden ja bekanntlich nicht so viel gefahren wie die Erstausgaben …..

Die Infografik ist in voller Größe auf meiner Homepage www.markusgaertner.com und in der SLIDESHARE-Galerie  www.slideshare.net/markusgaertner zu sehen – mit RSS-Button, damit Sie alle neuen Grafiken automatisch bekommen.


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