Verfasst von: markusgaertner | Dezember 10, 2009

„Schrecklich Frustriert“

Ein Jahr TARP – Gemischte Bilanz                                                             

Vancouver  10. Dezember 2009

Für gemeinhin darf man ja nicht viel erwarten, wenn sich eine öffentliche Einrichtung selbst bewertet. Das Congressional Oversight Panel, sozusagen der Kongress-eigene Wachhund in Washington für die Umsetzung der 700 Mrd. Dollar umfassenden Sintflut gegen die toxischen Papiere aus der Ära der Übertreibungen, hat in dieser Woche Fazit nach (fast) einem Jahr gezogen. Der

zentrale Satz im „Executive Summary„, dem Fazit zu Beginn des Papiers für Leute mit wenig Zeit, fällt noch wenig überraschend aus: „TARP war ein wichtiger Teil einer größeren Strategie der Administration, die das Finanzsystem stabilisierte, den Kreditfluss wieder herstellte und eine noch größere Krise verhinderte“.

Nur das erwartete Eigenlob also ? Nein. Denn gleich auf der ersten Seite des Papiers kommt die Liste der Ziele, die nicht erreicht wurden, in bemerkenswerter Offenheit:

„Die Verfügbarkeit von Krediten bleibt gering … Bankenpleiten halten mit einer nie dagewesenen Rate an … vergiftete Derivate bleiben in den Bilanzen vieler großer Banken … die Zwangsversteigerungs-Krise weitet sich aus … die Märkte hängen am Tropf der Regierung“.

WOW, starker Tobak.

Kein Wunder, dass Finanzminister Timothy Geithner am Mittwoch, das tat, wozu ihn das Stabilisierungs- und SOS-Programm für die Finanzmärkte ermächtigt. Er schrieb an den Kongress, dass es bis Oktober 2010 verlängert wird. Doch von jetzt ab soll die große Gieskanne über dem Mittelstand und dem Immobilienmarkt ausgegossen werden, anstatt auf die bislang verwöhnten (Groß-)Banken.

Die Betonung liegt wohl auf dem Immobilienmarkt, denn dort hat TARP am kläglichsten versagt. Der Versuch, möglichst viele verzweifelte Hypothekenkunden aus der Überschuldung zu befreien – bei allein 40%, die ihre Kredite 2006 aufgenommen haben, ist das Haus jetzt schon weniger wert als der Bank geschuldet wird – ist weit hinter den Erwartungen geblieben.

Trotz der gewaltigen Firepower des mit 75 Mrd. Dollar ausgestatteten Making Home Affordable Program – kurz HAMP genannt – übersteigen seit Mai die Zwangsversteigerungen um das 100-400% die Zahl der Hypothekenbesitzer, denen die Bank versuchsweise bessere Konditionen angeboten hat. Doch selbst denen haben ihre Banken in den seltesnten Fällen dauerhafte Erleichterungen verschafft, also weniger Zinsen, oder längere Laufzeiten.

Den Vorsitzenden des Ausschusses für Finanzdienstleistungen im Repräsentantenhaus, Barney Frank , riss eine Anhörung mit den Banken, die so wenige Rettungsringe ausgeworfen haben, zu der Bemerkung hin: „Wir sind schrecklich frustriert“. Das ist der Grund, warum die Obama-Administration – der ein Schmusekurs mit der Wall Street vorgeworfen wird – jetzt Abgeordnete des Finanzministeriums und von Fannie Mae zu den sieben größten Hypothekenausleihern entsenden will. Sie sollen vor Ort kontrollieren, dass Anträge finanziell überforderter Häuslebesitzer auf erträglichere Hypothekenkonditionen effektiv bearbeitet werden.

Im kommenden Jahr stehen Zwischenwahlen in den USA an. Im Weißen Haus und im Kongress hat man inzwischen verstanden, wie schlecht es aussieht, wenn bei über 20 Millionen arbeitslosen oder unterbeschäftigten Amerikanern die Rettungsringe überwiegend an der Wall Street verteilt wurden. Das Center for Responsible Lending hatte vor wenigen Tagen gemeldet, dass im laufenden Jahr schon fast drei Mill. Familien ihr Haus verloren haben.

Gleichzeitig weisen große TARP-Empfänger wie die Bank of America nur vorübergehende Hilfe für 14% der Hypothekenkunden aus, die bereits 60 Tage oder mehr in Verzug sind. Daher auch die etwas ernüchternde Bilanz in dem Kongressbericht über das TARP-Programm:

The foreclosure crisis continues to grow. More than two million families have lost their homes to foreclosure since the start of this crisis, and countless more have lost their homes in short-sales or have turned their keys over to the lender. Foreclosure starts over the next five years are projected to range from 8 to 13 million, but more than a year after the TARP was passed, it appears that the TARP‘s foreclosure mitigation programs have not yet achieved the scope, scale, and permanence necessary to address the crisis.

Die Infografik ist in voller Größe auf meiner Homepage www.markusgaertner.com und in der SLIDESHARE-Galerie  www.slideshare.net/markusgaertner zu sehen – dort können Sie den RSS-Button klicken, um alle neuen Grafiken automatisch zu bekommen.

 
 
 
 
 
 

 


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