Verfasst von: markusgaertner | November 30, 2009

China-Tsunami

Überkapazität soweit das Auge reicht                                                                                 

Vancouver  1. Dezember 2009

Zuerst die gute Nachricht: Chinas Fließbänder rollten im November so schnell wie seit April 2004 nicht mehr. Damit kann die Volksrepublik sich weiterhin als Dynamo der rezessions-geplagten globalen Wirtschaft profilieren. Aber die schlechte Nachricht folgt auf dem Fuß: Selbst im Politbüro weiß wohl niemand

mehr, wohin die ganzen Autos, Stahlplatten und Zementsäcke verkauft werden sollen. Denn die politische Führung hat – um das Einparteiendiktat der KP durch strammes Wachstum zu rechtfertigen – eine Wachstumsorgie entfesselt, die nun wie ein Bumerang auf das Land zurückschlägt – und zwar in Form unglaublicher Überkapazitäten.

Wie enorm das Problem inzwischen ist, zeigt ein Auftritt, den Ende November im Blätterwald lediglich Finanzpublikationen – FT, Reuters, Bloomberg, Businessweek etc. – seiner Bedeutung entsprechend würdigten. Die EU-Kammer in Peking, die im Tagesbetrieb damit beschäftigt ist, Chinas volatile Tarif- und Visapraktiken in Tränenbriefen nach Brüssel zu illustrieren, gab eine Pressekonferenz zu den Überkapazitäten im Land.

Der Zusammenhang ist simpel: Chinas Renminbi ist an den US Dollar gekoppelt, ist daher mit dem Greenback in den vergangenen Monaten auf rasante Talfahrt gegangen und hilft der Volksrepublik, einen Teil ihres Arbeitslosenproblems  nach Europa zu exportieren. Dort liegen die Nerven wegen des starken Euro blank. Gleichzeitig bersten zwischen Shanghai und Guangdong Hochlager und Warenspeicher, weil der Weltmarkt schwach bleibt. Daran ändert selbst der schwache Renminbi nichts.

China hat seit Jahren die Urbanisierung forciert, billige Kredite an Staatsfirmen vergeben, die junge Exportwirtschaft gepäppelt, das Kreditwachstum angeheizt und mit lächerlich geringen Energiepreisen die Produktion zusätzlich subventioniert. Wie ein 3-Zentner-Mann im Augustinerzelt beim Oktoberfest hat sich die Exportwalze aus dem Reich der Mitte in alle Märkte geschoben und die westlichen Wettbewerber verdrängt.

Jetzt, wo der Welthandel schwach ist, wird die Konjunktur in China noch mehr angeheizt. Doch die Überkapazitäten können nicht mehr verborgen werden. Das Land produziert so viel Stahl wie die acht nächstgrößeren Hersteller zusammen (siehe Grafik). China stellt mehr Zement her als die übrige Welt. Die Anlageinvestitionen sind in diesem Jahr um 53% gestiegen, die Kreditmenge um 30%.

Daran wird sich vorerst nicht viel ändern. Premier Wen Jiabao rief zu Beginn der Woche die EU auf, die Konjunktur weiter anzukurbeln. Da schlagen langsam selbst zurückhaltende Topökonomen wie der Berater der People´s Bank of China, Fan Gang, Alarm. Fan, Chef des renommierten National Institute of Economic Research, sieht Chinas bevorstehende Rückkehr zu zweistelligen Wachstumsraten als gefährlich an und warnt vor einer Blase.

Die KP kann die Wachstumsspirale, die sie entfesselt hat, aber nicht einfach anhalten. Sie braucht hohes Wachstum, um soziale Spannungen zu begrenzen. Aber sie muss auch eine neue Bankenkrise verhindern und kann die Profitabilität der chinesischen Firmen nicht außer Acht lassen. Der Drache hat sich in der lahmenden Weltwirtschaft bisher als gutes Zugtier bewährt. Ob er als Seiltänzer und Gratwanderer so lange Erfolg haben kann wie beim Heizen der Stahlöfen, muss sich jedoch noch zeigen ….

Die Infografik ist in voller Größe auf meiner Homepage www.markusgaertner.com, im XING-Profil www.xing.com/profile/Markus_Gaertner13 („Referenzen …“) und für Mitglieder der Plattform auch in meiner LinkedIn-Galerie zu sehen.


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