Verfasst von: markusgaertner | November 21, 2009

Mittelstands-Alarm

US-Banken drehen Mittelstand den Saft ab                                               

Vancouver   22. November 2009

Wenn Historiker einmal auf 2009 zurückschauen, werden sie das Jahr als jenes charakterisieren, in dem die Beteiligung in den sozialen Netzwerken des Internet förmlich explodierte. All die Blogs, privaten Webseiten und Zwitscher-Plattformen brauchen ja Themen, über die man sich austauschen, auslassen, ereifern

kann.

Welch glücklicher Zufall, dass die Rezession hier Schützenhilfe bei der rasanten Verbreitung leistet: Millionen verlorener Jobs, turbulente Börsen, Benzinpreise mit Känguruh-Sprüngen, die große Verschwörung wirtschaftlicher und politischer Eliten gegen die „Main Street“, uns alle, die Straße, den Mittelstand !

Ausgerechnet das US-Finanzministerium unter Leitung seines zunehmend umstrittenen Chefs Timothy Geithner – dem eine wachsende Zahl von Kritikern in beiden großen Parteien der USA vorwirft, vor lauter Schmusekurs mit den Banken den Rest des Landes zu vergessen – präsentierte in dieser Woche einen Bericht, der vielen Kritikern recht gibt: Demnach haben die größten Banken des Landes in den vergangenen sechs Monaten ihre Ausleihungen an den Mittelstand um über 10 Mrd. Dollar zurückgeschraubt.

Am schlimmsten gehen jene Geldhäuser mit kleinen und mittleren Firmen um, die das meiste Geld aus dem TARP genannten Hilfsprogramm der Obama-Administration bekamen. Von den 22 Banken, die die meiste Geldstütze erhielten, vergeben drei überhaupt keine Kredite an den Mittelstand; von den verbleibenden 19 haben 15 seit April weniger an den Mittelstand ausgeliehen (siehe Grafik).

Die genannten Banken haben demnach seit April kollektiv ihre Mittelstandskredite um 4% gedrosselt, manche um bis zu 12%.

Und das, obwohl die Geldkonzerne wissen, was Moody´s Economy-Chefvolkswirt Mark Zandi jüngst einem Kongressausschuss berichtete: Firmen mit bis zu 20 Angestellten stellen zwar „nur“ ein Viertel aller Jobs in den USA, haben aber in der Expansionsphase bis 2007 stattliche 40% aller neuen Jobs geschaffen.

Umso härter trifft die kleinen Unternehmen die Verweigerung der Großbanken: Satte 40% aller Stellenstreichungen im ersten Jahr der laufenden Rezession gingen auf das Konto des Mittelstands.

Wer die Jobmaschine des Landes abwürgt, zieht natürlich den Volkszorn auf sich. Wenige Monate vor den nächsten Wahlen in den USA – den sogenannten „midterm elections“ – werden führende Politiker bis ins Weiße Haus ziemlich nervös. Präsident Obama beauftragte im Oktober Tim Geithner und Mittelstands-Beauftragte Karen Mills, eine Konferenz abzuhalten. Das Ziel: Dem Mittelstand soll besser unter die Arme gegriffen werden. Die Tagung fand am Mittwoch statt.

Um die Publicity rund um die Konferenz besser zu nutzen, versprachen Milliardär Warren Buffett und Goldman Sachs, Mittelständlern in Amerika mit 500 Mio. Dollar zu helfen. In der Blogger-Sphäre mussten sie sich dafür wüste Kritik gefallen lassen, diese Hilfe sei populistisch und diene lediglich der Propaganda.

Schließlich war Goldman Sachs einer der führenden Player in jener Finanzindustrie, die den Subprime- und Derivate-Rausch anzettelte, der erst die Wall Street und dann die gesamte Weltwirtschaft in die Knie zwang, Millionen von Jobs kostete und bis ins ferne Asien ungezählte Familien ruinierte.

Immerhin haben solche PR-Aktionen in den USA eine gewisse Tradition. John D. Rockefeller verteilte Münzen an Kinder und half damit, die moderne PR-Industrie zu gründen. Der Standard Oil-Mogul war unter anderem wegen rüder Geschäftsmethoden zum reichsten Mann Amerikas aufgestiegen und hatte den Volkszorn auf sich gezogen. Andrew Carnegie, der Stahlmagnat, gründete eine Stiftung und wurde einer der größten Wohltäter der USA, nachdem er mit U.S. Steel einen beherrschenden Konzern aufgebaut hatte.

Doch einen wesentlichen Unterschied gibt es zwischen Carnegie und Goldman. Der Stahl-Tycoon gab fast sein gesamtes Vermögen, um Schulen, Universitäten und Bibliotheken zu bauen. Goldmans „Stiftung“ für den Mittelstand entspricht dürftigen 2,3% der geschätzten Boni, die das Unternehmen 2009 ausschütten wird.

Die Infografik ist in voller Größe auf meiner Homepage www.markusgaertner.com, im XING-Profil https://www.xing.com/profile/Markus_Gaertner13 („Referenzen und Auszeichnungen“) und für Mitglieder der Plattform auch auf LinkedIn zu sehen.


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: