Verfasst von: markusgaertner | November 18, 2009

US-Blasebalg

Dollar-Jojo entnervt den Rest der  Welt                                                     

Vancouver   19. November 2009

Es war das erste Mal, dass der Regierungschef eines anderen Landes die Geldpolitik der USA kritisierte. Die Warnung von Hong Kongs „Regierungschef“ Donald Tsang – ein Technokrat der Worte zwei Mal umdreht, bevor sie ihm über die Lippen gehen – dass die USA den gleichen Fehler wie Japan in den 90er Jahren

begingen, zeigen wie blank die Nerven in Asien und anderswo liegen. Von Rio über Seoul bis Moskau kämpfen Regierungen und Notenbanken gegen den exportschädigenden Auftrieb ihrer Währungen, die vom niedrigen Dollar und dem neuen Carry-Trade nach oben gepuscht werden, auf schmerzhafte Höchststände. In Asien hat das billige Geld, das in den USA zu fast NUll Zinsen aufgenommen wird, Immobilienpreise und Aktienkurse wie einen Heißluftballon aufgebläht. Und das weckt böse Erinnerungen an die Asienkrise 1997.

Die jüngsten Zahlen aus Asien belegen, wovon Tsang spricht. Die Häuserpreise in China sind allein im Oktober laut dem staatlichen Statistikbüro um 3,9% gestiegen, der schnellste Zuwachs in 14 Monaten. In Hong Kong schossen die Preise für Luxusapartments im laufenden Jahr um 40% nach oben, der breitere Wohnungsmarkt legte „nur“ 28% zu. In Singapur kletterten die Häuserpreise im dritten Quartal des laufenden Jahres 15,8%, der größte Preissprung in drei Jahrzehnten, so die Wohnungsbaubehörde. In dem Inselstaat am südlichen Ende von Malaysia sind die Preise in den drei Monaten bis September stärker gestiegen, als sie in vier miserablen Quartalen zuvor gesunken waren.

Mittlerweile warnt auch der mit Chinas Machthabern vertraute Wirtschafts-Professor Fan Gang in Peking. Fan ist einflussreicher Berater der Notenbank und Chef des rennomierten National Institute of Economic Research, ein Insider par excellence. Die „wahre Gefahr„, sagt Fan, „sind diese asset bubbles“. Auch Singapurs Notenbank beklagt jetzt, der lokale Immobilienmarkt habe ein Eigenleben entwickelt und sich von der Konjunktur losgelöst. Den Anlegern drohten Verluste, falls die Konjunktur enttäusche. Der Internationale Währungsfonds und die Weltbank stimmen ebenfalls in den Chor der Mahner ein. Zu frisch sind die Erinnerungen an die Finanzkrise in der zweiten Hälfte der 90er Jahre – und natürlich an das noch laufende Desaster.

In den 90er Jahren war es Kapital aus dem Carry Trade mit Japans Yen, zu rekordniedrigen Zinsen in Tokyo aufgenommen und dann in die Immobilienmärkte Südostasiens investiert. Das blähte – genau wie derzeit auch – die Wechselkurse der Währungen in Singapur, Thailand und Malaysia auf, mit den bekannten Folgen. Als die Blase am 1. Juli 1997 platzte, floh ausländisches Kapital über Nacht aus den asiatischen Tigerländern.

Folge: Die lokalen Währungen kollabierten, Tausende von asiatischen Firmen, die sich in US Dollars bei internationalen Banken verschuldet hatten – weil es billig war – konnten nicht mehr das viele lokale Geld auftreiben,das sie wegen der gesunkenen Wechselkurse plötzlich brauchten, um die existierenden Dollar-Verbindlichkeiten zu bedienen. Vor diesem verheerenden Blasebalg-Effekt – der schon einmal die Preise in der Region gefährlich inflationiert hatte – fürchten sich jetzt alle Regierungen in Asien.

Hinter den Mahnungen der jüngsten Zeit steckt eine tiefere Erkenntnis, besser Enttäuschung. Sie beschäftigt auch europäische Politiker und Wirtschaftskapitäne wie Airbus-COO Fabrice Brégier. Dieser warnte schon im September, die Verluste, die der Flugzeugbauer aufgrund des schwachen Dollars einfahre, könnten zu INvestitionskürzungen, weiteren Fabrikschließungen und der Verlagerung von noch mehr Fertigung in Billigländer führen.

Die US-Notenbank hat mit ihrer Geldpolitik seit Anfang der 90er Jahre den Rest der Welt wie einen Blasebalg behandelt, stets mit verheerenden Folgen. Der Savings and Loan-Krise folgte eine Phase niedriger Zinsen, die Geld in den Rest der Welt spülte. Vor der aktuellen Krise saugten die USA für ihren Konsum 80% der Ersaprnisse im Rest der Welt auf, während US-Adressen dem Rest der Welt toxische Derivate verkauften, die bis in die letzten Ecken des Globus enorme Verluste und eine tiefe Rezession auslösten.

Während der Rest der Welt sich verschuldet und Millionen von Jobs verliert, lässt die Fed den Dollar kontrolliert sinken und riskiert mit ihrer erneuten Niedrigzinspolitik, dass der Carry Trade im Rest der Welt gegenüber dem Greenback nicht nur die Wechselkurse nach oben schießt, sondern die Tsunami billigen Geldes auch noch die Börsen- und Immobilienpreise ungeachtet der schwachen Fundamentaldaten aufbläht. Das Vorspiel zur nächsten großen Finanzkrise …


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