Verfasst von: markusgaertner | November 17, 2009

Nebelkerzen

Sag die Wahrheit, Warren

Vancouver   18. November 2009

Arianna ist kaum zu bremsen. Mit ihrem griechisch-amerikanischen Akzent ist die TV-Sensation unter den führenden Nachrichtenfrauen in Amerika grenzenlos charmant. In den USA ist sie eine Celebrity

allerersten Ranges. Ms. Huffington hat die gleichnamige News-Seite im englischsprachigen Raum zu einer Institution gemacht. Huffington stellt sich als Gegengewicht zu den „mainstream-Medien“ auf, der traditionellen Massenpresse, die sich in Amerika immer mehr auf die Seite der herrschenden Geld-Elite schlägt. Arianna Huffington schlägt sich -und macht daraus eine Marke – immer mehr auf die Seite der Verlierer im wirtschaftlichen Niedergang der USA. Von den Intellektuellen des Landes fordert sie derweil wortlaut Wahrhaftig-keit ein. Ihr jüngster Aufruf richtete sich zu Wochenbeginn an den Milliardär Warren Buffett.

„Put down your Pom-Poms„, riet sie dem reichen „Sage of Omaha“. Pom-Poms sind jene Puschel, die leicht bekleidete Turnerinnen bei ihrer hektischen Gymnastik in den Pausen von Sport-Spektakeln wild durch die Luft schwingen. Im übertragenen Sinne bedeutet das Niederlegen der Pom-Poms den Verzicht auf das Anfeuern, das Cheerleaden, das Bejubeln. Arianna kreidet Warren Buffet nach dessen jüngsten öffentlichen Auftritten an, er werfe Nebelkerzen, schließe sich der Beschönigung der wahren wirtschaftlichen Lage in den USA durch die Wall Street an und laufe „wirtschaftliche Ehrenrunden mit dem Weißen Haus“.

Amerika müsse die Wahrheit über die wahre Lage in der Wirtschaft erfahren, mahnt Frau Huffington. Sie ist damit nicht die einzige. Immer mehr Stimmen in den USA werden laut, die ähnliches wie die Blog-Queen verlangen und die Finger auf die klaffenden wirtschaftlichen Wunden legen: Knapp 36 Mill. Amerikaner nahmen im Juli Nahrungsmittelspenden, sogenannte „food stamps„, an. 17 Mill. amerikanische Familien – vier Mill. mehr als im Vorjahr – können nicht genug Essen auf den Küchentisch bringen. 1,3 Mill. allein erziehende Mütter sind arbeitslos – in Las Vegas, der darniederliegenden Kasino-Metropole, hat die Zahl wohnsitzloser Schulkinder um 42% zugenommen.

„Die reale Wirtschaft braucht keine Cheerleader-Rhetorik“, beklagt Arianna Huffington, „sie bedarf ernster Hilfsmaßnahmen“.

Während an der Wall Street 3,5% Wachstum für das dritte Quartal gefeiert werden sowie positive Meldungen über stabilen Konsum und eine mögliche Bodenbildung am Immobiliensektor, melden sich fast gleichzeitig zwei von denen zurück, die das Wirtschaftsdesaster punktgenau vorhergesagt hatten.

Die wortgewandte Meredith Whitney, eine renommierte Finanzexpertin und TV-Schönheit, die mit einem legendären Ringer zusammenlebt und die Bankvorständen bei Analysten-Konferenzen mit kritischen Fragen ins Schwitzen bringt, sagt in dieser Woche, „ich bin so bearish wie seit einem Jahr nicht mehr“. Meredith erwartet ein erneutes Abtauchen der Konjunktur in die Rezession.

Nouriel Roubini, Wirtschafts-Professor an der Stern School of Business der New York University, und Herausgeber des angesehenen RGE Monitor, stellt in seinem jüngsten Blog am Dienstag die ketzerische Frage: „Denkst Du, das Schlimmste ist vorbei ? – Falsch … Der Arbeitsmarkt ist furchbar und wird noch schwächer“. Roubini rechnet vor, dass die wahre Arbeitslosigkeit bei 17,5 anstatt den offiziellen 10,2% liegt. Und er hat ermittelt, dass Gehaltssenkungen und verkürzte Arbeitszeiten für viele amerikanische Arbeiter und Angestellte dem Verlust von weiteren drei Mill. Arbeitsplätzen entsprechen.

Roubinis ominöse Warnung lautet: „Der Schaden für die Volkswirtschaft wird immens sein, wenn nicht sofort drastische politische Maßnahmen ergriffen werden“.

Roubini, Whitney und Arianna Huffington haben eines gemeinsam. Das krasse Misstrauen gegenüber der Art und Weise, wie Amerikas Meinungsmacher und Topverdiener in der Finanzwirtschaft die angespannte Konjunktur beschönigen. Der folgende Chart illustriert einen der vielen Widersprüche, mit denen das offizielle Zahlenwerk Nebelkerzen über die Konjunktur wirft. Während das Handelsministerium in Washington durchaus positive Zahlen über Umsätze im Einzelhandel publiziert, meldet die Mehrzahl der US-Bundesstaaten verheerende Einbrüche bei der Umsatzsteuer.

Die Umsatzsteuer ist nach Ansicht vieler Experten ein besseres Barometer für die Wirtschaft. Denn sie bildet Verkäufe im Einzelhandel umfassend ab, während die Zahlen aus dem Handelsministerium nur Geschäfte erfassen, die noch nicht aufgegeben haben. Aber jeder weiß: Wenn mein Konkurrent pleite geht, mache ich mehr Umsatz. Den erfassten Einzelhändlern geht es also bei den Umfragen des Handelsministeriums wirklich nicht so schlecht. Doch die bereits geschlossenen Läden werden nicht erfasst.

Die Infografik ist in voller Bildschirmgröße für Mitglieder in meinem XING-Profil https://www.xing.com/profile/Markus_Gaertner13 („Referenzen und Auszeichnungen“) und für Mitglieder der Plattform auch auf LinkedIn zu sehen.


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