Verfasst von: markusgaertner | November 11, 2009

Mini-Wachstum

Nach der Rezession: Jahrelang kaum Wachstum

Vancouver   12. November 2009

Die Erholung der Weltwirtschaft hat begonnen, wenn auch mit beträchtlichem Rückschlags-Risiko. Und die Wall Street übertreibt mit ihrer Party. Die Kurse haben sich weit von der Realität entfernt. Doch wenn Geld auf dem Girokonto

weniger als ein Prozent bringt, die Anleihen kaum noch Renditen abwerfen, der Immobilienmarkt darniederliegt und Inflation in der Pipeline lauert – was tun ?

Das ist der relative Vorteil der Aktien, zumal wenn sie von Rohstoff- und Energiefirmen stammen, die unverwüstliche Werte im Boden haben. „Seien Sie nicht allzu pessimistisch“ in Bezug auf Aktien, sagte mir Marc Faber, als ich ihn am Wochenende in Vancouver für die Börsen-Zeitung interviewte. Seine Empfehlung: Minenwerte, etwas Gold, ausgewählte US-Immobilien und asiatische Aktien.

Doch wer Aktien kauft, handelt auf die Zukunft. Und die verspricht leider trotz der teilweise rasanten wirtschaftlichen Erholung auf der Welt – Asien vor allem, angetrieben von China – über Jahre hinweg unterdurchschnitt-liches Wachstum.

Warum ?

Ganz einfach, wie man am Beispiel der USA sehen kann. Doch was jetzt kommt, gilt auch ähnlich oder mehr – zum Beispiel Japan – für andere führende Volkswirtschaften. Die Auslastung der Industrie ist sehr niedrig – in den USA mit 67,5% der gewerblichen Kapazität über 14% unter dem langjährigen Schnitt seit 1948, so die Fed in Dallas. Gleichzeitig stagniert das Heer der Erwerbstätigen, wie die Tabelle der Grafik weiter unten zeigt, basierend auf Zahlen des Bureau of Labor Statistics.

Demnach gibt es in den USA derzeit außerhalb der Landwirtschaft nur so viele Beschäftigte wie zu Beginn des Jahrzehnts. Kein Wunder, wenn Jobs nach Asien verlegt werden und die Bevölkerung vergreist. Fast 80 Mio. Babyboomer werden sich in den kommenden 20 Jahren in den Ruhestand verabschieden, viele davon später als sie noch vor Kurzem dachten.

Gegen diese Entwicklung gibt es praktisch nur zwei Gegenmittel, das dritte scheidet von vornherein weitgehend aus: Länger arbeiten. Schon die Verschiebung des Renteneintrittsalters in Deutschland um zwei Jahre war ja hart umkämpft und nur schwer politisch durchsetzbar. Das erste gegenmittel wäre ein hoher Produktivitätszuwachs.

Doch der liegt in den USA trotz rasanter Zuwächse in den vergangenen Quartalen nur bei 2% für die letzten drei Jahre. In Europa sind die Zuwächse auch zu schwach, um das Ruder ganz herum zu werfen, wegen heftiger Regulierung vor allem. Bleibt Zuwanderung, Immigranten. Leider müssen die westlichen Industrieländer feststellen, dass sie nicht nur selbst Talente verlieren, wie vor allem Deutschland.

Sie erleben auch – wie die USA – derzeit, dass ihre Attraktivität im globalen Maßstab nachgelassen hat. Horden von Indern ? Die ziehen lieber weiter an chinesische Universitäten, oder bleiben gleich in Mumbai oder Bangalore, um dort zu arbeiten. Denn dort sind Wachstum, Dynamik, Zuversicht – und – immer besser bezahlte Jobs. 

Also, Wall Street, genießt mal schön Eure neuen Hochs, sie werden nicht so lange währen. Denn die Wachstumsraten, die wir erleben werden, können nicht die Spitzenwerte erreichen, die die Schlaumeier in den Handelsabteilungen von Investmentbanken, Brokern und Analysefirmen sich zurecht kalkuliert und umgehend in die inflationierten Kurse eingebaut haben.

Die Infografik ist in voller Bildschirmgröße für Mitglieder in meinem XING-Profil https://www.xing.com/profile/Markus_Gaertner13 („Referenzen und Auszeichnungen“)

ECONCHARTslowgrowth112009


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: