Verfasst von: markusgaertner | November 9, 2009

RMB-Sprung

Der Große Sprung des Renminbi

Vancouver  9. November 2009

Chinas massive Dollar-Reserven und die Angst vor einem weiteren Wertverfall des Greenbacks haben die Internationalisierung des Renminbi (RMB) hoch auf die Tagesordnung der politischen Führung in Peking gesetzt. Während die Chinesen den Dollar verbal attackieren, bringen sie rigoros ihre eigene Währung international in Umlauf und bereiten den Weg zu deren freier Konvertierbarkeit.

Vor allem für Chinas Nachbarn

war es bislang nicht besonders attraktiv, Reserven in Renminbi zu halten, es sei denn, sie spekulierten auf eine langfristig starke Aufwertung, die viele Beobachter erwarten. Gegenwärtig dürfen Firmen oder private Anleger, die außerhalb Chinas RMB halten, nicht direkt an Chinas Kapitalmärkten investieren, sitzen also tatenlos auf möglichen Beständen. Auch Shanghais Futures- und Swap-Märkte, an denen das Wechselkursrisiko für den RMB abgesichert werden könnte, sind noch nicht zugänglich.

Der Yuan ist schon in allen Nachbarländern Chinas informell frei konvertierbar. Im Norden Thailands, im nördlichen Vietnam, sowie in Myanmar und im östlichen Teil Sibiriens ist es für lokale Händler – vor allem im unmittelbaren Grenzbereich – einfacher und billiger in Renminbi abzurechnen als in Dollar. Um diese rasch wachsenden Transaktionen in Yuan besser zu beobachten, hat die People´s Bank of China – Chinas Zentralbank – kürzlich bilaterale Abkommen mit Vietnam und Laos geschlossen.

 Mit Korea, Hong Kong, Malaysia, Indonesien, Argentinien und Weißrussland hat China in den vergangenen 12 Monaten Swap-Abkommen im Gesamtvolumen von umgerechnet 65 Mrd. Euro geschlossen. Thailand ist dem Vernehmen nach der nächste Handelspartner Chinas, der ein solches Abkommen mit der chinesischen Führung unterschreiben wird. Der nächste Schritt für Peking, sagen Experten in der Region, wird sein, die Banken in Südostasien einzuladen, damit sie Niederlassungen in China gründen oder sich an chinesischen Geldhäusern beteiligen. Damit würde die Expansion des asiatischen Anleihemarktes vorangetrieben und die Ausgabe chinesischer Bonds gefördert.

Zu diesem Zweck wurden seit Mitte 2007 bereits elf RMB-Anleihen in Hong Kong ausgegeben, zuletzt Ende September von Chinas Finanzministerium. Die Emission hatte ein Volumen von umgerechnet 600 Mill. Euro. Dass Anleger in Hong Kong nun chinesische Bonds kaufen können, erhöht die Attraktivität des Yuan als Anlagewährung. Mehr noch: Die Emissionen in Hong Kong helfen Peking, verfügbare Kapitalquellen zu erweitern und das Bankgeschäft in RMB in der Stadt zu forcieren.

Wann Chinas Notenbank den Renminbi voll konvertibel macht, ist ein sorgsam gehütetes Staatsgeheimnis. In einem ersten Schritt müsste die People´s Bank die tägliche Schwankungsbreite im Renminbi-Handel gegen den Dollar und andere führende Währungen stark erweitern. Vor einer deutlichen Erholung der chinesischen Exporte in der laufenden globalen Wirtschaftskrise ist damit jedoch nicht zu rechnen.

Ha Jiming, der Chefvolkswirt bei Chinas größter Investmentbank China International Capital, sieht den Vormarsch des Yuan als eine Begleiterscheinung von Chinas Erfolgsgeschichte. Der große Sprung des Renminbi soll in drei Phasen ablaufen. In der ersten Phase wird es privaten Haushalten außerhalb der Volksrepublik erlaubt, auf Yuan lautende Giro- und Investmentkonten zu eröffnen. Hong Kong dient hierfür seit einigen Monaten als Testlabor.

In einer zweiten Phase wird der Yuan eine reguläre Abrechnungswährung im internationalen Handel. Zu diesem Zweck hat China bereits fünf großen Städten im Land erlaubt, internationalen Handel in Renminbi abzurechnen. Mit Russland hat China im Juni dieses Jahres vereinbart die Währungen beider Länder im bilateralen Handel verstärkt zu verwenden. In der dritten Phase schließlich wird China die Regierungen und Notenbanken von Handelspartnern ermuntern, den Renminbi verstärkt als Reservewährung zu akzeptieren. Die Ausgabe von RMB-Bonds in Hong Kong ist in diesem Zusammenhang ein Auftakt.

Chinas Interesse an einer internationalisierung des Renminbi ist groß und nachvollziehbar. Als Überschussland im Außenhandel, das große Reserven von knapp 2.300 Mrd. Dollar angehäuft hat, kann das Wechselkursrisiko begrenzt werden. Als Defizitland im Rohstoffsektor, das riesige Mengen Öl, Gas und Industriemetalle am Weltmarkt einkaufen muss, kann es besser die Kosten seiner Importe kontrollieren. Eine Internationalisierung des Yuan wird auch chinesische „Assets“ für Ausländer attraktiver machen und mehr Kapital ins Land bringen. Schließlich: Da Zahlungen in einer internationalen Währung zu einem großen Teil durch das Bankensystem des ausgebenden Landes abgewickelt werden, würden chinesische Geldhäuser stark von der Internationalisierung profitieren. Ganz zu schweigen von der sogenannten Seigniorage, dem „Münzgewinn“ des ausgebenden Landes zwischen den Kosten des Gelddruckens und dem nominalen Wert der umlaufenden Geldscheine und Münzen.

Die Infografik ist in voller Bildschirmgröße in meinem XING-Profil zu sehen https://www.xing.com/profile/Markus_Gaertner13 (bei „Referenzen und Auszeichnungen“)

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