Verfasst von: markusgaertner | November 5, 2009

Welche Erholung eigentlich ?

Vancouver  5. November 2009

Die lange Salve von Beruhigungspillen und „Green Shoots“-Propaganda aus den USA reißt nicht ab. Die offiziellen Zahlen aus den Kosmetikkoffern der Behörden in Washington treibendie Wall Street-Indizes auf immer neue Hochs. Die letzte Jubelzahl kam aus dem Commerce Department: 3,5% BIP-Wachstum im 3. Quartal. Davor waren auch rasante Zuwächse für den Verkauf existierender Häuser gemeldet

worden sowie eine Zunahme der Produktion und Bestellungen außerhalb des gewerblichen Sektors. Finanzminister Timothy Geithner wurde am Mittwoch mit der Einschätzung zitiert, der Arbeitsmarkt werde sich Anfang 2010 beleben. Und die Fed, die US-Notenbank, hat am Mittwoch der Konjunktur eine weitere Verbesserung bescheinigt. WOW !

Wie soll das alles gehen, fragen wir uns, wenn zwei Millionen Amerikaner in der Immobilienkrise ihre Häuser verloren haben, wenn sieben Millionen ihren Job verloren haben, wenn das private Einkommen stagniert, die Arbeitslosigkeit auf einem 26-Jahreshoch angekommen ist und der private Konsum im September um 0,5% nachgegeben hat ? Wer sich regelmäßig die Regionalzeitungen in den USA anschaut – ich mache mir die Mühe für meine tägliche Berichterstattung – der sieht andauernd Geschichten über längere Schlangen vor den Suppenküchen, über mehr Wohnsitzlose Kinder in den Schulen, über Gemeinden die kein Geld mehr haben, die Armen zu bestatten, und ganze Bundesstaaten wie Kalifornien, die ihren Beamten Schuldscheine aushändigen, anstatt Gehaltsschecks, weil sie praktisch pleite sind.

In diesem Umfeld soll eine Erholung stattfinden ?

Are you kidding me, Mr. Geithner ?

Man erwischt sich ja angesichts des Jubels, den die Wall Street-Mafia verbreitet, in jüngster Zeit immer wieder dabei, dass man nicht mehr ganz sicher ist, ob die eigenen Zweifel übertriebenem Misstrauen entsprungen sind und die Lage sich vielleicht doch deutlich bessert. Schließlich ist es in den vergangenen Monaten im Lager der Skeptiker und Pessimisten ziemlich einsam geworden. Doch dann kommen wieder Nachrichten wie jene, die ich in der nachfolgenden Grafik illustriert habe. In den beiden benachbarten kalifornischen Häfen von Los Angeles und Long Beach – den beiden größten der USA – wo in diesem Jahrzehnt die Billigimporte aus Asien einen sagenhaften Containerboom ausgelöst haben, brechen die Importfrachten dramatisch ein. Im September, eigentlich einer der Monate mit dem größten Warenumschlag, haben die beiden Häfen, die zusammen als fünftgrößter auf der Welt gelten, die schwächsten Container-Importe seit neun Jahren registriert. Das Minus im Vergleich zum September 2008 beträgt in Los Angeles 15,8%, in Long Beach 19,4%. Im laufenden Jahr 2009 wurden in den beiden Häfen insgesamt 16,2% und 23,8% weniger Import-Container aus den ankommenden Ozeandampfern gehievt.

Also: Von welcher Erholung ist da eigentlich die Rede ? (Die Grafiken sind auch in XING  https://www.xing.com/profile/Markus_Gaertner13 unter „Dateianhänge“)

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