Verfasst von: markusgaertner | November 3, 2009

ZWEI EX-KOLONIEN, EINE WETTE

VANCOUVER  3. November 2009

Kanadas Zeitungen sind voll des Lobes über Australiens Wirtschafts-erfolge. In „Down Under“, wie der Fünfte Kontinent im Englischen oft genannt wird, hagelt es seit Monatenpositive Meldungen: Australien hat als einzige entwickelte Volkswirtschaft in der laufenden globalen Wirt-schaftskrise eine Rezession vermieden. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im zweiten Quartal

um 0,6%, nachdem es schon im ersten Vierteljahr 2009 um 0,4% zugelegt hatte.

Das staatliche Statistikbüro meldete für den September eine sinkende Arbeitslosenquote und die höchste Zahl neu geschaffener Jobs in zwei Jahren. Mehr noch: Die Stimmung der Konsumenten in Canberra, Sydney und Melbourne bessert sich zusehends, die Immobilienpreise steigen, der australische Dollar – auch „Aussie“ genannt – ist gar zum Senkrechtstarter avanciert, der sich der Parität zum Greenback annähert. Australiens Notenbank hat Anfang Oktober als erste in der OECD wieder die Zinsen angehoben. Von steigenden Zinsen, Wachstum und Aussichten auf Wechselkursgewinne angezogen, hieven internationale Anleger derzeit Australien Börsenindizes in immer neue Höhen.

In Kanada – wie Australien ein reich gesegnetes Rohstoffland – hat das neidvolle Betrachtungen und Analysen in den lokalen Zeitungen zur Folge. „Die Insel da unten führt die Welt in der wirtschaftlichen Erholung an und die Börsianer registrieren das“, schrieb die konservative National Post in einer ganzseitigen Analyse am 9. Oktober. „Was ist da unten los, hat denen keiner gesagt, dass wir eine globale Krise haben ?“ entrüstete sich neidisch am 16. Oktober die landesweit verbreitete Globe and Mail.

Kanada und Australien, so die Zeitung, sind mittelgroße Volkswirtschaften in großflächigen Staaten mit geringer Bevölkerungsdichte; beide Länder waren einmal britische Kolonie; beide haben vor der Krise drastisch die Defizite ihrer öffentlichen Haushalte dezimiert; beide haben einen soliden Bankensektor mit strengen Regulierungen und vergleichsweise vorsichtiger Kreditvergabe im Immobiliensektor; und beide sind bedeutende Rohstoffexporteure. Soweit der Vergleich der Globe and Mail. Will heißen: Warum kriegen die das in Australien so gut hin, wenn wir in Kanada ganz ähnliche Voraussetzungen haben, aber unser Bruttoinlandsprodukt im August überraschend schrumpfte, obwohl die Notenbank drei Monate zuvor die Rezession (voreilig?) für beendet erklärt hat ?

Die intensive Beschäftigung der kanadischen Medien mit den wirtschaft-lichen Erfolgen der Australier liefert Anlegern auch hierzulande in Europa wichtige Informationen und Hinweise, wie man sein Geld in einem globalen Umfeld anlegen kann, das im schlimmsten Fall über Jahre hinaus wirtschaftliche Stagnation bei steigendem Preisauftrieb bringt. Die Antwort lautet: Wenn die Inflation ihr hässliches Haupt erhebt, vielleicht erst in zwei, drei Jahren, gehören zu den sichersten Anlagen die Aktien jener Firmen, die sichere Werte im Boden haben: Metalle, Mineralien, Gas und Öl. Und davon gibt es sowohl in Kanada als auch in Australien enorm viele.

Bei Anlagen in beiden Ländern winkt zudem ein doppelter Gewinn: Nicht nur Zuwächse bei den Rohstofftiteln, sondern auch Wechselkursgewinne in den Rohstoffwährungen. Denn die Rohstoffexporte beider Länder werden auf dem Weltmarkt mit US-Dollar bezahlt. Die Erlöse werden dann repatriiert und in die lokale Währung umgetauscht, was die Nachfrage nach der jeweils heimischen Währung – dem Aussie oder dem Kanada-Dollar – erhöht und deren Kurs nach oben treibt. Auch der Kanada-Dollar hat ja zuletzt Kurs auf Parität mit dem schwächelnden Greenback genommen.

Allerdings bieten Australien und Kanada zwei unterschiedliche „Wetten“. Wer in Australien investiert, kann eine indirekte „Wette“ auf China ein-gehen, denn Australiens wichtigste Exportartikel – Kohle und Eisenerz zum Beispiel – werden ganz überwiegend nach China verkauft. Und die Volks-republik hat mit einem BIP-Wachstum von 8,9% im dritten Quartal dank eines massiven Konjunkturprogramms ihre Wirtschaft wieder unter Voll-dampf gesetzt. China ist Australiens größter Handelspartner und Export-markt und dürfte die Konjunktur in Down Under lange Zeit auf Trab halten.

Die „Wette“ auf Kanada dagegen macht mehr Sinn, wenn Anleger stark auf steigende Energiepreise setzen. Kanada ist zum größten Öllieferanten der USA aufgestiegen. Die Ölsande in Alberta gelten als das größte Vor-kommen der Welt außerhalb Saudi Arabiens. Viele Energieunternehmen in Kanada sind im globalen Vergleich außerdem Leichtgewichte und mögliche Ziele von Übernahmen, wenn sich das Fusionskarussell wieder schneller dreht. Den Ritt auf dem nur vorübergehend unterbrochenen globalen Roh-stoffboom erlauben aber beide Länder, mit einbegriffenen Währungs-gewinnen  ….

ECONCHARTdownunder112009

Die Grafik kann im Großformat auf meinem XING-Profil angeschaut werden (https://www.xing.com/profile/Markus_Gaertner13 - siehe "Dateianhänge")


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